Trade Republic schickt sich an, die Sparkassen und genossenschaftliche Finanzgruppe einzuholen!

Kann Trade Republic das rasante Wachstum der letzten Jahre fortschreiben oder sogar noch beschleunigen? Eine Einschätzung auf Basis derzeit vorliegender Marktdaten.

Viele Banken und Broker haben bereits ihre Geschäftszahlen für 2025 veröffentlicht, Grund genug für uns die Entwicklung der Depotzahlen genauer unter die Lupe zu nehmen. Teilweise müssen wir auch lineare Hochrechnungen auf Basis der Halbjahreszahlen (Deka) nutzen, das Bild sollte aber tendenziell richtig sein.

 

Trade Republic wächst schneller als der Wettbewerb

 

Depotentwicklung 2020-2025

Die Sparkassen-Finanzgruppe mit den Sparkassen und der Deka sowie die genossenschaftliche Finanzgruppe mit den Volksbanken und Union Investment führen weiterhin bei der Zahl der Depots privater Haushalte in Deutschland.

Während die Direktbanken und -broker als wichtige Wettbewerber der vergangenen Jahre nur teilweise, wie etwa die ING Deutschland, etwas schneller wachsen, jedoch weiterhin mit großem Abstand zu den beiden Finanzgruppen, startete Trade Republic in den letzten Jahren fulminant durch.

Scalable Capital als weiterer Neoplayer stagniert auf dem Niveau der DKB und pendelt sich bei rund 1 Mio. Depots ein. Comdirect und Consorsbank kratzen seit Jahren an der Marke von 2 Mio. Kunden, ohne klare Wachstumstendenz.

Das Marktwachstum lag 2025 bei 8,2%: Nur Union Investment mit 9,3% und ING Deutschland mit 8,6% wachsen schneller als der Markt. Deka mit 5,3% (lineare Hochrechnung auf Basis der Halbjahreszahlen), Consorsbank mit 4,7% und DKB mit 2,4% wachsen dagegen langsamer als der Markt.

ING Deutschland (Young Depot), Comdirect (Pure Depot) und Sparkassen (S-Neo) setzen auf „neue“ Wettbewerbsangebote gegenüber Trade Republic. Die Zeit wird zeigen, ob sich damit das eigene Wachstum beschleunigen oder das Wachstum von Trade Republic bremsen lässt. Die Gefahr besteht, dass der Produktstart zu spät kommt.

 

Gerät das Trade Republic Wachstum jetzt ins Stocken?

Das Marktwachstum kam in den letzten Jahren vor allem durch Trade Republic, das neue Investoren an den Kapitalmarkt brachte! Laut aktueller Bundesbankstatistik wuchs der Depotmarkt privater Haushalte in Deutschland seit 2019 um über 60% oder über 14 Mio. Depots. Das Wachstum geht klar auf das Konto von Neobrokern wie Trade Republic!

▶️ 14,2 Mio. neue Depots netto seit 2019 über alle Anbieter – allein 5,3 Mio. davon bei Trade Republic bis Ende 2024.

▶️ Brutaler Anteil an neuen Depots 2024 für Trade Republic, 2,8 Mio. neue TR-Depots, während der Gesamtmarkt um 3,1 Mio. zulegte – das sind fast 90% aller neuen Depots!

▶️ das Marktwachstum lässt 2025 – trotz Rückenwind durch Kinderdepots – leicht nach: Während der Gesamtmarkt 2024 noch um 3,1 Mio. Depots wuchs, kamen 2025 „nur“ noch 2,8 Mio. Depots hinzu.

💣 Noch sind die 2025er Zahlen von Trade Republic nicht veröffentlicht: Haben wir Peak Trade Republic bereits erreicht oder kann Trade Republic die Wachstumsgeschichte bestätigen, vielleicht sogar weiter beschleunigen?

Sollte sich das Trade Republic Wachstum tatsächlich abschwächen, stellt sich die Frage nach den Gründen:

▶️ Verstärkte Anstrengungen im Markt (neue Produktangebote wurden allerdings erst in den letzten Wochen gelauncht (Comdirect Pure Depot) oder sind aktuell erst angekündigt (Sparkassen S-Neo)?

▶️ Kritik am Kundenservice?

▶️ US-amerikanische Investoren und buy european auch bei Finanzangelegenheiten?

 

Unsere Einschätzung

  1. Trade Republic wird das Vorjahreswachstum von 2,8 Mio. Depots nicht erreichen, da der Markt insgesamt nur noch um 2,8 Mio. Depots wächst und keine klare Depotabwanderung bei anderen Marktteilnehmern zu erkennen ist (kein klarer Verlierer). DKB (+0,1 Mio.), ING Deutschland (+0,4 Mio.), Deka (lineare Hochrechnung ~ +0,3 Mio.), Union Investment (+0,5 Mio.), Consorsbank (+0,08 Mio.), Scalable Capital (-0,1 Mio.), Sparkassen (+0,015 Mio.), Volksbanken (~ +/- 0) wachsen alle leicht, halten ihren Bestand oder verlieren in nur sehr geringem Umfang.
  2. Trade Republic wird Ende 2025 mehr Depots im Bestand haben als die genossenschaftliche Finanzgruppe (VR-Banken + Union Investment) und vielleicht auch als die Sparkassen Finanzgruppe (Sparkassen + Deka). Um die genossenschaftliche Finanzgruppe zu toppen, müssen sie allerdings mindestens um ~ 2,2 Mio. Depots im Bestand wachsen!
  3. Comdirect, ING Deutschland und Sparkassen launchen ihre neobroker-like Produkte zu spät. Das Marktwachstum flacht schon wieder ab, die genannten Player scheinen schlicht zu spät zur Party zu kommen! Vielleicht schaffen sie es Kunden zu binden, es droht aber auch eine interne Kannibalisierung.

 

 

 

 

 

 

Quellen:
Bundesbankstatistik
Deka Stand 6/2025: 5,854 Mio. Depots, lineare Hochrechnung / Geschäftsberichte
Union Investment: Geschäftsberichte
TR: 2022 Stand Okt. 2022 / TR Pressemitteilungen (hier nur Depots in Deutschland)
ING: Geschäftsberichte, PR Meldung Januar 2026
DKB: Geschäftsberichte, PR Meldung zu Geschäftszahlen 2025 (Mrz 26)
Consorsbank: Consors in Zahlen, 2020: Stand 31.3.2021, 2022: Stand Mrz 2023
Comdirect: Geschäftsberichte bis Fusion, 2021: Schätzung, Börsen Zeitung Interview
Scalable: Handelsblatt, broker-test, Factsheets, Anzahl Kunden nicht Depots, 2021: Stand Febr. 2022, 2022: Stand Aug 2022, 2025: Stand Sept. 2025

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Über den fw-Score

Mit dem fw-Score wollen wir einen objektiven und nachvollziehbaren Erfüllungsgrad für die Qualität digitaler Lösungen einführen.

Der fw-Score wird auf einer Skala von 0 (schlecht) bis 100 (perfekt) abgetragen und soll so für eine Vergleichbarkeit von digitalen Lösungen stehen.

Nachdem wir in den letzten Jahren eine Vielzahl von Benchmarkings beauftragt und im Kundenauftrag begleitet haben, missfiel uns immer wieder, dass entweder eine Bewertung des Geschäftsmodells oder aber eine UX/UI-Bewertung erfolgte. Nie wurde versucht, die berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Bank und die Kundenerwartungen in einem Benchmarking zu untersuchen.

Unser Anspruch und Antritt ist genau das sicherzustellen: Eine ausgewogene Betrachtung der wirtschaftlichen Wirkung für die Bank (Optimierung der Vertriebs- und Prozesskosten, Margenausweitung, usw.) und der Nutzererwartungen. Die wirtschaftliche Wirkung für die Bank bemessen wir im Digitalisierungsgrad und gewichten ihn mit 70%, während wir die Kundenerwartungen mit dem Bedienkomfort bewerten und mit 30% gewichten. Die beiden Kriterien schließen sich selbstverständlich nicht aus und sind auch nicht überschneidungsfrei.

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