Bereits im Sommer letzten Jahres, direkt nach der Veröffentlichung der Filialzahlen durch die Bundesbank, haben wir die Entwicklung der Filialen in Deutschland betrachtet und untersucht welche Implikationen für Bankkunden daraus resultieren. 50% der Filialen geschlossen, wo bleiben die digitalen Leistungen?
Mit der neuen Veröffentlichung der Bundesbank vom 17. Juli 2025 wollen wir analysieren, welche Bankengruppe, welcher Sektor das Filialnetz wie stark reduziert hat und welche alternative digitale Leistungen zur Kompensation oder als Alternative für Kunden angeboten werden. Die Bewertung nehmen wir am Beispiel der „Einrichtung einer Kontovollmacht“ vor!
In der Vergangenheit gingen Bankkunden vor allem für kompliziertere Servicethemen, und bei Beratungsbedarfen (Bankprodukte wurden von Banken bewusst beratungsintensiv gestaltet) in Filialen und suchten den Kontakt zu einem Berater und ein persönliches Gespräch.
Heute müssen Bankkunden einen weiteren Weg in Kauf nehmen oder auf digitale Alternativen zurückgreifen: telefonische Beratung, Videoberatung (wenn man doch mal mit einem Menschen sprechen möchte) oder digitale Self-Services im Online-Banking oder der Banking-App. Fatal wäre es für Kunden, wenn Filialen geschlossen und keine digitalen Self-Services bereitgestellt würden.
Beim Blick auf die drei Sektoren in der deutschen Bankenlandschaft zeigt sich ein relativ harmonisches Bild bei der Reduzierung der Filialnetzes bis Ende 2023 – alle Sektoren (Sparkassen und Landesbanken, Volksbanken und Kreditbanken) haben ihr Filialnetz zwischen 43/44% (Sparkassen und Volksbanken) und 55% (Kreditbanken) reduziert. Im letzten Jahr haben Sparkassen und Volksbanken ihr Filialnetz aber nur noch um jeweils 2,5, bzw. 3% reduziert, während Kreditbanken mit 28% fast jede Dritte verbliebene Filiale geschlossen haben.
In den Jahren 2013 bis 2024 wurden bei Sparkassen und Volksbanken knapp die Hälfte (46%) aller Filialen geschlossen, bei den Kreditbanken über 2/3 aller Filialen (68%)!
Sparkassen und Landesbanken
Das Filialnetz der Sparkassen und Landesbanken wurde in den letzten 10 Jahren massiv ausgedünnt: Statt 12.757 Filialen Ende 2013 werden den Kunden Ende 2023 nur noch 7.104 Filialen angeboten, ein Rückgang um 44,3%! Allerdings wurden im letzten Jahr nur noch 2,5% der verbliebenen Filialen geschlossen. Seit 2013 sind damit bis Ende 2024 knapp die Hälfte (46%) der Filialen geschlossen worden.
Kreditgenossenschaften
Das Filialnetz der Volksbanken wurde in den letzten 10 Jahren ebenfalls massiv ausgedünnt: Statt 11.552 Filialen Ende 2013 werden den Kunden Ende 2023 nur noch 6.588 Filialen angeboten, ein Rückgang um 43%! Allerdings wurden im letzten Jahr nur noch 3% der verbliebenen Filialen geschlossen. Seit 2013 sind damit bis Ende 2024 knapp die Hälfte (46%) der Filialen geschlossen worden.
Kreditbanken
Auch das Filialnetz der Kreditbanken wurde in den letzten 10 Jahren massiv ausgedünnt: Statt 10.168 Filialen Ende 2013 werden den Kunden Ende 2023 nur noch 4.572 Filialen angeboten, ein noch größerer Rückgang – im Vergleich mit der Sparkassen Finanzgruppe und genossenschaftlichen Finanzgruppe – sogar um 55%! Der Filialabbau wurde im letzten Jahr sogar noch weiter beschleunigt, 2024 sind 28% der verbliebenen Filialen abgebaut worden. Seit 2013, bis Ende 2024, sind mehr als 2/3 aller Filialen der Kreditbanken geschlossen worden.
Welche digitalen Ausweichmöglichkeiten bieten die Banken?
Am Beispiel der Einrichtung einer Kontovollmacht kann man leider erkennen, dass Banken trotz Reduzierung ihres Filialangebots kaum digitale Ausweichmöglichkeiten bieten. Vor allem Kreditbanken sollten sich fragen, warum sie weitere knapp 30% der verbliebenen Filialen schließen und ein unzureichendes Digitalangebot bieten. Keine der betrachteten Banken mit reduzierter Filialerreichbarkeit hat in ihr digitales Leistungsangebot investiert. Bei geringerem Leistungsangebot werden aber weiterhin Kontoführungsgebühren erhoben, die Rechtfertigung gerade gegenüber Direkt- und Neobanken fällt zunehmend schwerer.
Fazit
Banken haben ihre Kostenvorteile bereits erreicht und durchschnittlich fast 50% ihres Filialnetzes geschlossen (2013 bis 2023), die Kreditbanken bauen ihr Filialnetz in 2024 weiter ab und haben bis Ende 2024 (im Vergleich zu 2013) mehr als 2/3 ihrer Filialen geschlossen. Aber sie haben ihren Kunden keinen gleichwertigen Ersatz geboten, zum Beispiel durch digitale Self-Services, sondern einfach nur Leistungen begrenzt.
Banken, die keine digitalen Ersatzleistungen anbieten, verlangen von ihren Kunden, dass sie mit weniger Beratern oder weiter entfernten Filialen zufrieden sind und die Leistungen als ausreichend empfinden. Geht dies noch mit höheren Gebühren einher wird dies von (Neu-)Kunden vermutlich kritisch bewertet.
Aber was tun?
1. Prüfen, welche Self-Services nach eIDAS Verordnung mit welchem Level behandelt werden müssen.
2. Online-Zugang für alle Kunden schaffen.
3. KI-Chancen aktiv angehen.
MCP-Server können die Komplexität von Banking Self-Services entscheidend reduzieren. Sie ermöglichen KI- und LLM-Lösungen, auf vorhandene Daten zuzugreifen, Nutzerdialoge zu personalisieren und Self-Services flexibel als Sequenzen wieder verwendbarer Bausteine zu erstellen – weitgehend ohne klassische, starre Antragsstrecken dauerhaft programmieren zu müssen.
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