Canva – Weniger Churn durch smarten Kündigungsprozess

Trotz drastischer Preiserhöhungen um 300%, zeigt Canva mit seinem durchdachten Kündigungsprozess, wie man Kundenabwanderung verhindern kann. Statt den Kündigungsprozess kompliziert oder frustrierend zu gestalten, setzt Canva auf eine Mischung aus psychologischen Prinzipien aus der Aufmerksamkeitsökonomie und cleverem Design. Diese Ansätze lassen sich auch auf die Finanzdienstleistungsbranche übertragen, um die Kundenzufriedenheit und -bindung zu stärken. Hier sind die wichtigsten Lektionen:

Verlustaversion und Reverse Trials

Im letzten Schritt des Kündigungsprozesses hebt Canva hervor, was Kunden verlieren würden – sei es ein günstiger Preis oder exklusive Features. Diese Taktik nutzt das Prinzip der Verlustaversion: Menschen empfinden den Verlust von etwas Wertvollem oft stärker als den Gewinn von etwas Neuem. Ähnliches gilt auch für Reverse Trials: Gibt man Kunden zu Beginn einer Testphase Zugang zu Premiumfunktionen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie weiterzahlen, um diese Funktionen zu behalten.

Beispiel: Finanzdienstleister können Kunden über die Vorteile eines Kontopakets informieren, wie niedrige Gebühren oder exklusive Zinsen, die sie verlieren würden, wenn sie wechseln. Eine personalisierte Nachricht wie „Sie haben im letzten Jahr 300 $ durch unser Treueprogramm gespart“ könnte die Kundenbindung stärken.

Best Practices aus dem cancellation flow von Canva
Screenshot von Kyle Poyar

Personalisierte Nutzungsdaten

Durch die Anzeige individueller Nutzungsstatistiken (z. B. „622 Mal den Hintergrundentferner genutzt“) wird der Wert des Produkts greifbar gemacht. Kunden werden daran erinnert, wie sehr sie das Produkt bereits in ihren Alltag integriert haben.

Beispiel: Finanzdienstleister können personalisierte Berichte über das Nutzungsverhalten bereitstellen, z. B. „Sie haben diesen Monat 15 Mal unsere kostenlosen Sofortüberweisungen genutzt“ oder „Sie haben durch unser Cashback-Programm 50 $ gespart“. Solche Daten machen den Nutzen der Dienstleistungen transparent und fördern die Bindung.

Zugänglichkeit des Kündigungsprozesses und subtile UX-Tricks

Es müssen nicht immer Dark Patterns oder verschachtelte Menüs sein. Canva vereinfacht den Kündigungsprozess, färbt jedoch den Button „Stornierung fortsetzen“ rot – ein bisschen aggressiv, aber nicht unvernünftig. Mit klaren und leicht verständlichen Optionen bleibt der Kündigungsprozess transparent – gleichzeitig wird das Beibehalten des Abos als die einfachere und bequemere Wahl präsentiert.

Beispiel: Finanzdienstleister sollten im Sinne der Kundenzufriedenheit den Kündigungsprozess und andere Funktionen nicht in verschachtelten Menüs verstecken und diese möglichst einfach gestalten. Canva zeigt hier eine gelungene Alternative, indem der Prozess transparent strukturiert ist, aber Kunden subtil beeinflusst.

Bonuslektion: Alternative Angebote während des Kündigungsprozesses

Während des Kündigungsprozesses können alternative Vorteile oder Lösungen angeboten werden – beispielsweise ein Downgrade auf ein günstigeres Paket oder eine vorübergehende Aussetzung des Vertrags. Letzteres macht es leichter, den Kunden später zu reaktivieren.

Fazit

Durch personalisierte Kommunikation, transparente Prozesse und gezielte Nutzung von Verlustaversion können Finanzdienstleister nicht nur Abwanderung verhindern, sondern auch langfristige Loyalität aufbauen. Unternehmen können von Canva lernen: Es geht nicht darum, Kündigungen um jeden Preis zu verhindern – sondern darum, den Kunden bewusst zu machen, welchen Wert sie verlieren würden.

Canva – Weniger Churn durch smarten Kündigungsprozess
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Wie haben wir getestet?
Über den fw-Score

Mit dem fw-Score wollen wir einen objektiven und nachvollziehbaren Erfüllungsgrad für die Qualität digitaler Lösungen einführen.

Der fw-Score wird auf einer Skala von 0 (schlecht) bis 100 (perfekt) abgetragen und soll so für eine Vergleichbarkeit von digitalen Lösungen stehen.

Nachdem wir in den letzten Jahren eine Vielzahl von Benchmarkings beauftragt und im Kundenauftrag begleitet haben, missfiel uns immer wieder, dass entweder eine Bewertung des Geschäftsmodells oder aber eine UX/UI-Bewertung erfolgte. Nie wurde versucht, die berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Bank und die Kundenerwartungen in einem Benchmarking zu untersuchen.

Unser Anspruch und Antritt ist genau das sicherzustellen: Eine ausgewogene Betrachtung der wirtschaftlichen Wirkung für die Bank (Optimierung der Vertriebs- und Prozesskosten, Margenausweitung, usw.) und der Nutzererwartungen. Die wirtschaftliche Wirkung für die Bank bemessen wir im Digitalisierungsgrad und gewichten ihn mit 70%, während wir die Kundenerwartungen mit dem Bedienkomfort bewerten und mit 30% gewichten. Die beiden Kriterien schließen sich selbstverständlich nicht aus und sind auch nicht überschneidungsfrei.

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